Aktuelles

Unser aktuelles Programmheft finden Sie hier zum Download:

 

 

Zu unserem Veranstaltungskalender
Die Zeitzeugen Leszek Żukowski und Ernst Grube sowie Bundesratspräsident Bodo Ramelow erinnern an die polnischen Häftlinge im KZ Dachau
 
Deutsch-Polnisches Gedenken zum 83. Jahrestag der ersten Deportation

Am Sonntag, 18. September 2022, 15 Uhr, veranstaltete die Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau in Kooperation mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft München eine Gedenkfeier zum 83. Jahrestag der ersten Deportation von Polen ins Konzentrationslager Dachau. Bei der Gedenkfeier sprachen der polnische Widerstandskämpfer und KZ-Dachau-Überlebende Professor Dr. Leszek Żukowski (93) aus Warschau, die polnische Schriftstellerin Maria Aniśkowicz, deren Urgroßvater Jakub Sabasz im KZ Dachau ermordet wurde, der Holocaust-Überlebende Ernst Grube (89, Präsident der Lagergemeinschaft Dachau), der Bundesratspräsident und Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow, die Studiendirektorin Hedwig Bäuml, die mit Jugendlichen vom Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium an einem deutsch-polnischen Austausch des Projektes „Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau“ teilnimmt, Jan Kwiatkowski (Poznań), früherer Freiwilliger von „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ an der Versöhnungskirche und Gedenkstättenreferent, Anna Baumgartner vom Vorstand der Deutsch-Polnischen Gesellschaft München sowie Pfarrer Edwin Pech (Karpacz), Vertreter der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen im Kuratorium der Versöhnungskirche, Kirchenrat Dr. Björn Mensing, Pfarrer und Historiker an der Versöhnungskirche, und Diakon Frank Schleicher.

Bereits am 16. September 1939, zwei Wochen nach dem deutschen Überfall auf Polen, wurden 25 Männer aus Ostoberschlesien ins KZ Dachau verschleppt. Am 23. September 1939 kamen mit dem nächsten Transport aus Polen 74 Gefangene nach Dachau. Bis zur Befreiung des Lagers litten insgesamt mehr als 40.700 Menschen aus Polen im KZ Dachau, unter ihnen fast 10.000 jüdische Häftlinge. Die polnischen Häftlinge waren im KZ Dachau die größte nationale Gruppe. Waren es zunächst nur Männer, so wurden in den letzten Kriegsjahren auch etwa 1600 Frauen aus Polen nach Dachau verschleppt. Von den polnischen Häftlingen wurden im Dachauer KZ-System mindestens 8390 ermordet.

Autobiographische Texte des polnischen KZ-Überlebenden Adam Kozłowiecki SJ hat bei der Gedenkfeier Julia Cortis vorgetragen, aus dem Bayerischen Rundfunk bekannte Sprecherin. An der musikalischen Gestaltung beteiligte sich die junge Sopranistin Helena Huber. Sie trug die Vertonung von Psalm 22 der polnisch-jüdischen KZ-Überlebenden Rachel Knobler (1924-2017) vor. Franz Wich sang das im KZ Dachau von Häftlingen geschriebene Dachau-Lied. Gerhard Pfeiffer spielte auf der Orgel Werke von polnischen Komponisten.

Als Gäste haben der polnische Generalkonsul Jan M. Malkiewicz und Karl Freller, Erster Vizepräsident des Bayerischen Landtags und Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, sowie Angehörige von NS-Verfolgten aus dem In- und Ausland teilgenommen.

 

In dieser Datei finden Sie alle gesprochenen und gesungenen Texte der Gedenkfeier zum Nachlesen. Die frei gehaltenen Rede von Bundesratspräsident Bodo Ramelow können Sie auch unten als Audiodatei nachhören.

Rede des Bundesratspräsidenten Bodo Ramelow:

 

 
Unbequem für NS-Regime und Kirchenleitung
Landesbischof und Kulturstaatsministerin würdigen Wolfgang Niederstraßer

Am 26. Juni kamen mehr als 80 Frauen und Männer in die Versöhnungskirche, um an den widerständigen Pfarrer Wolfgang Niederstraßer zu erinnern. Ab 1938 ist sein regimekritisches Verhalten belegt. Die Gestapo hatte ihn noch im April 1945 ins KZ Dachau verschleppt. Sein Regionalbischof Otto Bezzel ermahnte ihn 1942 zu mehr Vorsicht und rügte 1943 sein "Einzelgängertum". Nach der Befreiung stieß der Pfarrer mit seiner Bußpredigt auf taube Ohren. Eine Würdigung seines Widerstands blieb zu seinen Lebzeiten aus. Landesbischof Bedford-Strohm wandte sich in seiner Predigt an die anwesenden Mitglieder der Familie Niederstraßer:  "Auch wenn diese Worte viel zu spät kommen: Ich möchte Ihnen gegenüber als seinen Nachkommen heute als Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern meine Scham darüber zum Ausdruck bringen, und meine Hochachtung zum Ausdruck bringen für das Zeugnis von Pfarrer Wolfgang Niederstraßer". Im sehr persönlichen Grußwort nach dem Gottesdienst würdigte auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth den Pfarrer:  "Menschen wie Wolfgang Niederstraßer haben meinen tiefsten Respekt und meine höchste Bewunderung. Es ist ihr Mut, den ich bewundere." Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien betonte die Bedeutung von kritischer Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und von reflektierter Erinnerungsarbeit:  "Eine Arbeit wie die von Pfarrer Mensing und seinem Kollegen Diakon Frank Schleicher hier an der Versöhnungskirche ist von sehr, sehr großer Bedeutung für die Evangelische Kirche in Bayern, aber weit darüber hinaus, für uns alle, für unsere Demokratie, für unsere Freiheit. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen."

Neben Nachkommen von Wolfgang Niederstraßer waren weitere Angehörige von NS-Verfolgten als Ehrengäste anwesend, mit Max Herzog in Bayern auch ein Überlebender des Konzentrationslagers Dachau. Aus Pfarrer Niederstraßers Gemeinde Warmensteinach (Dekanat Bayreuth) war eine Kirchenvorstandsdelegation angereist. Der Bayerische Landtag war durch den Ersten Vizepräsidenten und zwei weitere Abgeordnete vertreten, ebenso Kreistag und Stadtrat von Dachau und zivilgesellschaftliche Akteure der Erinnerungsarbeit.

Texte des Gottesdienstes und des Grußwortes von Frau Roth finden Sie hier, wie auch den Link zur Videoaufzeichnung:

 

 

 

 

 

 

Aufzeichnung des Livestreams auf der Facebook-Seite der KZ-Gedenkstätte Dachau

https://www.facebook.com/DachauMemorial/videos/595892718836918

 

Gottesdienst und Podiumsdiskussion mit Sinti und Roma zum Welt-Roma-Tag

Am Sonntag, 10. April 2022, fand in der Versöhnungskirche ein ökumenischer Gottesdienst mit anschließender Podiumsdiskussion zum Welt-Roma-Tag statt. Es wirkten mit: Judith Einsiedel (Pastoralreferentin, Bischöfliche Beauftragte für KZ-Gedenkstättenarbeit in der Erzdiözese München und Freising), Radoslav Ganev (Rom aus Bulgarien, Politologe, Gründer des Studierendenverbandes der Sinti und Roma in Deutschland und des Vereins RomAnity), Uta Horstmann (Münchner Sozialarbeiterin, Teilnehmerin am Sinti-Hungerstreik in der KZ-Gedenkstätte Dachau - mit Quartier in der Versöhnungskirche - im April 1980), Kirchenrat Dr. Björn Mensing (Pfarrer und Historiker, Landeskirchlicher Beauftragter für evangelische Gedenkstättenarbeit), Erich Schneeberger (Sinto, bayerischer Landesvorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Stellvertreter von Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma), Alfred Ullrich (aus der österreichischen Sinti-Familie Endress, lebt und arbeitet als Künstler in Dachau). Die musikalische Gestaltung lag beim Sinti Jazz Trio, bestehend aus Bobby Guttenberger (Gitarre), Elias Prinz (Gitarre) und Ida Koch (Kontrabass), sowie bei Franz Werner (Orgel).

Unter den mehr als 60 Gästen waren viele Sinti und Roma sowie Gabriele Triebel (Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied im Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags und Fraktionssprecherin für Erinnerungskultur), Bernhard Seidenath (CSU, Landtagsabgeordneter für den Stimmkreis Dachau), Josef Mederer (CSU, Bezirkstagspräsident von Oberbayern), Marianne Klaffki (SPD, Vizelandrätin des Landkreises Dachau) und Luise Krispenz (Bündnis 90/Die Grünen, dritte Bürgermeisterin der Stadt Dachau).

Auf dem YouTube-Kanal der Versöhnungskirche sind Videoaufzeichnungen von Norbert Elter veröffentlicht:

Ökum. Gottesdienst zum Welt-Roma-Tag: https://www.youtube.com/watch?v=6ScWervmOEs&t=124s

Podiumsgespräch zum Welt-Roma-Tag: https://www.youtube.com/watch?v=9lAbaCUJJrw&t=21s

In der Süddeutschen Zeitung erschien ein ausführlicher Bericht von Helmut Zeller: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/dachau-sinti-und-roma-versoehnungskirche-1.5564447

 

Videoaufzeichung von "Namen statt Nummern" online

Am 22. März 2022 präsentierten Jugendliche und Erwachsene aus Deutschland und den Niederlanden elf neue Biographien für das Projekt "Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau". In der Begrüßung wurde an die KZ-Dachau-Überlebenden und die Projektbeteiligten in der Ukraine gedacht.

Der Link zur Videoaufzeichnung von Joseph Pröll, der auch als Sohn eines KZ-Dachau-Überlebenden ein Grußwort sprach, findet sich hier: https://vimeo.com/694753479

 

Multireligiöses Ukraine-Friedensgebet in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Am 20. März 2022 kamen in der Versöhnungskirche und im Anschluss in der Jüdischen Gedenkstätte etwa 90 Christen, Juden und Muslime zusammen, um für Frieden in der Ukraine zu beten und an fünf der mehr als 15.000 ukrainischen Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau namentlich zu erinnern. Vasyl Volodko (97) befindet sich in der Region Kyiv in Lebensgefahr.  

Es wirkten mit: Augustin Z. Atamanyuk (Ukrainisch-Katholischer Priester), Mayya Bakulina (frühere russische Freiwillige von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste ASF an der Versöhnungskirche), Engelbert Foerster (Organist), Jan Kwiatkowski (früherer polnischer ASF-Freiwilliger an der Versöhnungskirche), Steven Langnas (Rabbiner), Apostolos Malamoussis (Griechisch-Orthodoxer Erzpriester), Anika Mensing (B. A. Soziale Arbeit), Dr. Björn Mensing (Evangelischer Pfarrer und Kirchenrat), Şeref Ovalı (Imam), Natalia Ruda (aus Kyiv geflohene Sängerin) und Sr. Irmengard Schuster OCD (Römisch-Katholische Priorin). Wir entzündeten eine Friedenskerze, die Sr. Benedicta Redl OCD (Karmel Heilig Blut Dachau) für dieses Gebet gestaltet hat (vgl. Foto). Die Kollekte für die Ukraine-Nothilfe des Maximilian-Kolbe-Werkes für KZ- und Ghetto-Überlebende wie Vasyl Volodko betrug 415 Euro. Hier finden Sie einen ausführlichen Bericht von Helmut Zeller: Dachau: Multireligiöses Friedensgebet in der Versöhnungskirche - Dachau - SZ.de (sueddeutsche.de)

Zum Nachlesen die Kurzbiographien der fünf ukrainischen Überlebenden des Konzentrationslagers Dachau:

 

 

 

 

 

 

Eine russische und eine polnische Stimme zum Ukraine-Krieg:

Gebet für den Frieden in der Ukraine

Im multireligiösen Gebet für den Frieden in der Ukraine am Sonntag, 20. März 2022, 11 Uhr, in der Versöhnungskirche erinnert Kirchenrat Björn Mensing mit Fotos und Kurzbiographien an fünf der mehr als 15.000 ukrainischen Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau. Einer von ihnen, Vasyl Volodko (97), schwebt derzeit im Raum Kiew in Lebensgefahr.

Zudem wirken Erzpriester Apostolos Malamoussis von der Griechisch-Orthodoxen Kirche und Imam Enbiya Gürücü vom Interkulturellen Dialogzentrum in München mit. Der katholische Organist Engelbert Foerster bring die ukrainische Nationalhymne zu Gehör. Zudem singt die jüngst aus der Ukraine nach München geflohene Sängerin Natalia Ruda.

Im Anschluss an den ersten Teil in der Versöhnungskirche ziehen wir hinüber zur Jüdischen Gedenkstätte, in der Rabbiner Steven Langnas, Seelsorger des Saul-Eisenberg-Seniorenheims der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, ein Gebet spricht.

Dazu ein Artikel von Helmut Zeller aus der Regionalausgabe der Süddeutschen Zeitung über ehemalige Häftlinge aus der Ukraine, die erneut um ihr Überleben kämpfen müssen.

Pressemeldung von Dachau AGIL:
Mit LEADER-Förderung umgesetzt: Barrierefreier Ausbau der Versöhnungskirche in Dachau

Die Evangelische Kirche Deutschland möchte allen Menschen den Zugang zur Versöhnungskirche in der Gedenkstätte Dachau ermöglichen. Aus diesem Beweggrund hat sich die Evangelische Kirche Deutschland als Projektträger 2018 an die Lokale Aktionsgruppe Dachau AGIL e. V. gewendet um mittels des EU-Förderprogramms LEADER auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte einen bis dahin nicht vorhandenen barrierefreien Zugang zur Versöhnungskirche zu schaffen. Seit kurzem ebnet dieser veränderte Zugang im neugestalteten Eingangsbereich Menschen mit Beeinträchtigung und Familien mit Kinderwägen den Weg in das Gebäude. Die Umsetzung des Projektes an der denkmalgeschützten Versöhnungskirche brachte einige Hürden mit sich. Nach zwei Jahren Umsetzungszeit fand nun ein Fototermin mit den Beteiligten am fertiggestellten barrierefreien Zugang statt. Marcel Fath, 1. Vorsitzender von Dachau AGIL, ist erfreut, dass mit dem Zugang eine weitere Barriere im Landkreis Dachau verschwunden ist. Die LAG Dachau AGIL e. V. hat sich in der Lokalen Entwicklungsstrategie „Vielfalt vernetzen“ vorgenommen, den Landkreis Dachau bei der Zielsetzung, den Landkreis barrierefrei auszugestalten, zu unterstützen. Das Projekt liegt außerhalb des LAG-Gebietes, da die Stadt Dachau bekanntlich kein Mitglied bei Dachau AGIL ist. Nachdem dieser geschichtsträchtige Ort einen Mittelpunkt im Landkreis Dachau darstellt, konnte das Projekt dennoch mittels LEADER-Förderung umgesetzt werden.

Agnes Stiglmaier, LEADER-Koordinatorin am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ingolstadt-Pfaffenhofen stellt dar: „An einem so bedeutenden Ort des Gedenkens ein Projekt mit dem europäischen Förderprogramm LEADER unterstützen zu können ist etwas Besonderes. Der Zugang zur Versöhnungskirche ist nun auch für Menschen mit Gehbehinderung barrierefrei möglich. Ich freue mich, dass hier eine Zuwendung von rund 98.000 € möglich ist und so mit dem Förderinstrument LEADER ein Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit geleistet wird.“

LEADER ist ein Förderinstrument der Europäischen Union zur Stärkung ländlicher Regionen. Um ein Projekt erfolgreich umsetzen zu können, kommt Aspekten wie Vernetzung und Bürgerbeteiligung eine besondere Rolle zu. Mit Hilfe des Regionalentwicklungsvereins Dachau AGIL e. V. ist es möglich, bis in das Jahr 2022 LEADER-Fördermittel für den Landkreis Dachau zu akquirieren.

Es ist Krieg

Ein Gebet von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm:

Ewiger Gott, vor dich bringen wir an diesem Tag unsere Fassungslosigkeit, unsere Trauer und unseren Zorn.

Die diplomatischen Bemühungen, auf die wir so gehofft hatten, haben nicht zum Ziel geführt. Die Sprache der brutalen Gewalt gibt jetzt den Ton an.

Der Machthunger hat die Oberhand behalten gegenüber der Vernunft.

Sei Du jetzt bei den Menschen in der Ukraine, die durch die Gewalt der Waffen in Not und Gefahr sind. Lass sie spüren, dass überall auf der Welt Menschen für sie beten. Sende du deinen Geist in die Herzen derer, die verantwortlich sind für aggressive Gewalt. Lass sie erkennen, dass durch die Gewalt alle verlieren. Öffne ihre Herzen, dass sie sich anrühren lassen von dem leid, dass ihre Gewalt verursacht.

Sei bei denen, die jetzt politische Verantwortung tragen und die richtigen Entscheidungen zu treffen haben. Öffne Wege, der militärischen Gewalt die Klarheit in der Verurteilung des Unrechts, wirksame Gegenmaßnahmen und eine Deeskalation der Gewalt entgegenzustellen.

In uns allen stärke das, was die Basis unseres Lebens ist: Stärke unseren Glauben. Stärke unsere Hoffnung. Stärke unsere Liebe. Auf dich vertrauen wir – auch jetzt.

AMEN

Familie Endress
Film zum Gedenken an die Sinti-Familie Endress

Der Film dokumentiert die Andacht zum Gedenken an die in der NS-Zeit ermordeten Mitglieder der österreichischen Sinti-Familie Endress. Im engen Austausch mit dem 1948 geborenen Dachauer Künstler Alfred Ullrich, dessen Mutter Katharina Endress die Konzentrationslager Ravensbrück und Buchenwald überlebt hatte, hat Dr. Björn Mensing, Pfarrer und Historiker an der Versöhnungskirche, das Verfolgungsschicksal der Familie recherchiert. Drei Onkel von Alfred Ullrich wurden ins KZ Dachau verschleppt. Neun Familienmitglieder wurden vermutlich vor 80 Jahren, im Januar 1942 im Vernichtungslager Kulmhof ermordet. Mit einer schlichten Andacht im kleinsten Kreis erinnerten wir am 16. Januar daran. Begleitet wurde das Gedenken von Anna Zhukovets, Studentin an der Hochschule für Fernsehen und Film München und freiberufliche Journalistin, Regisseurin und Fotografin, die selbst als Kind vor 20 Jahren als jüdischer Kontingentflüchtling nach Deutschland gekommen ist. Sie sagt zu ihrem Schwarz-Weiß-Film (34 Minuten): „Ich habe das Gedenken in der Versöhnungskirche so gefilmt, dass man immer wieder die Reaktion von Herrn Ullrich beobachten kann. Das fand ich sehr emotional.“

Link zum Film

https://www.youtube.com/watch?v=NDCjKDvTADY

Nagelkreuzgemeinschaft erhält Ökumene-Preis

Im Dezember verlieh die Katholische Akademie in Bayern der Internationalen Nagelkreuzgemeinschaft ihren Ökumenischen Preis. Zur Preisverleihung kamen Vertreter aus Coventry (England) nach München. Im Rahmen des Festaktes stellten Pastoralreferentin Judith Einsiedel von der Katholischen Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau und Kirchenrat Dr. Björn Mensing, Pfarrer der Versöhnungskirche, ihr ökumenisches Nagelkreuzzentrum vor. Im Video vom Festakt findet sich der Beitrag zwischen 25:10 und 31:00:

YouTube

Nach dem Festakt fand ein Podiumsgespräch zum Thema "Coventry und die Versöhnung in Europa“ statt mit Professorin Dr. Aleida Assmann, Bischof Dr. Christopher Cocksworth (Coventry) und Oberkirchenrat Dr. Oliver Schuegraf (Vorsitzender der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland). Die Aufzeichnung findet sich in der Mediathek von ARD alpha:

ARD alpha

Gedenken zum 83. Jahrestag der Novemberpogrome

Die Versöhnungskirche hat an die etwa 11.000 ins KZ Dachau verschleppten jüdischen Männer und an die anderen Opfer der Novemberpogrome erinnert. Als Mitveranstalterin waren wir vertreten bei der Gedenkfeier der Stadt Dachau mit einem Vortrag von Sabine Bloch, deren Vater Dr. Kurt Bloch im November 1938 aus seiner Wohnung in Dachau vertrieben und ins KZ Dachau eingeliefert worden war. Zudem beteiligten wir uns aktiv an der Reinigung der "Stolpersteine" für Holocaust-Opfer aus der Stadt Dachau:Gedenken 14.11.2021

https://www.dachau.de/tourismus/kz-gedenkstaette/stolpersteine.html

Im ökumenischen Gedenkgottesdienst stand die Erinnerung an drei jüdische Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau im Mittelpunkt: Edith Grünberger-Taus, Abraham Müller und Heinz Landmann (auf dem Foto von links nach rechts). Als Ehrengast war eine Tochter von Edith Grünberger-Taus gekommen, sowie die Tochter des jüdischen Dachau-Überlebenden Max Mannheimer.

Hier finden Sie die von Pastoralreferentin Judith Einsiedel und Kirchenrat Dr. Björn Mensing erstellten Kurzbiographien und die Predigt von Stadtdekan Dr. Bernhard Liess:

 

 

 

 

 

Eine Videoaufzeichnung des Gottesdienstes wird auf dem YouTube-Kanal der Versöhnungskirche veröffentlicht: https://youtu.be/e9ClmKM4tB4

Man lässt keinen Menschen erfrieren. Punkt.

Im Gottesdienst am 7. November haben die Teilnehmenden einen öffentlichen Appell zum Flüchtlingsdrama an der Grenze Polen-Belarus unterzeichnet, in dem es u.a. heißt: "Die Kirchen und viele Menschen aus der polnischen Zivilgesellschaft setzen sich für eine humanitäre Unterstützung der Flüchtlinge ein und warnen vor einer Katastrophe. Nachdem es bereits mehrere Todesfälle gegeben hat, droht nun bei der kalten Witterung mit Nachtfrost vielen der geschwächten Frauen, Männer und Kinder in den Grenzwäldern der Tod. Die Versöhnungskirche, die auf Initiative von überlebenden Dachau-Häftlingen zum Gedenken an die NS-Verfolgten errichtet wurde, von denen sich viele vergeblich um ein sicheres Zufluchtsland bemüht hatten, appelliert inständig an alle politisch Verantwortlichen in Europa: Lasst die Menschen an der Grenze nicht erfrieren!"

Den vollen Wortlaut des Appells finden Sie hier:

 

 

Die Versöhnungskirche schließt sich zudem dem dringenden Spendenaufruf der Evangelischen Kirche in Polen an:

https://diakonia.org.pl/aktualnosc/spendenaufruf-fur-fluchtlinge-an-der-polnisch-belarussischen-grenze/

Dachauer Beitrag beim Gottesdienst in der Gedenkstätte Buchenwald

Am 18. Juli 2021 fand auf dem ehemaligen Appellplatz des Konzentrationslagers Buchenwald (heute auf dem Gelände der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar) ein ökumenischer Gottesdienst zum Gedenken an die Buchenwald-Häftlinge und NS-Opfer Paul Schneider, Otto Neururer und Dr. Martin Gauger statt. Die Predigt hielt Kirchenrat Dr. Björn Mensing, Pfarrer und Historiker an der Versöhnungskirche. Er trug auch aktuelle Botschaften des Shoah- und Buchenwald-Überlebenden Ivan Ivanji (92) aus Belgrad und des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland und bayerischen Landesbischofs Dr. Heinrich Bedford-Strohm vor. Zudem erinnerte er erstmals in Buchenwald öffentlich an die Ravensbrück- und Buchenwald-Überlebende Katharina Endress aus einer österreichischen Sinti-Familie, Mutter des Künstlers Alfred Ullrich, der im Landkreis Dachau lebt.

Eine Videoaufzeichnung der Ansprache ist verfügbar. https://www.youtube.com/watch?v=pYheiBYiIPI

 

Konzertandacht zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion

Als Hitler-Deutschland am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfiel, gab es aus den deutschen Kirchen Zustimmung. Die Evangelische Versöhnungskirche und die Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau erinnerten am Sonntag, 20. Juni, 16 Uhr, in der Versöhnungskirche an diese schuldhafte Verstrickung und gedachten der Opfer des Vernichtungskrieges, gemeinsam mit Nikola David, Kantor der Liberalen jüdischen Gemeinde München Beth Shalom, und Mayya Bakulina aus Russland, frühere ASF-Freiwillige an der Versöhnungskirche.

Kantor David trug Lieder auf Russisch, Jiddisch, Hebräisch und Deutsch vor, begleitet von der Pianistin Stephanie Knauer. Neben der Musik stand die biographische Erinnerung an Menschen aus der Sowjetunion im Mittelpunkt, die, wie mehr als 25.000 ihrer Landsleute, als Häftlinge ins KZ Dachau verschleppt wurden. Die meisten von ihnen stammten aus der Ukraine, aus Belarus, Litauen und Russland. Erinnert wurde auch an die über 4.000 sowjetischen Kriegsgefangenen, die zur Ermordung durch Dachauer SS-Männer auf den Schießplatz Hebertshausen gebracht wurden, unter ihnen viele Juden.

Die Livestream-Videoaufzeichnung ist noch verfügbar:https://www.facebook.com/events/317121586476068