Seit 1979 gehören jeweils bis zu zwei Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste zum Team der Evangelischen Versöhnungskirche. Neben der Mitarbeit in der Versöhnungskirche arbeiten sie auch noch im Projekt „Gedächtnisbuch für Häftlinge des KZ Dachau“. Beim Förderverein für intern. Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit und in der KZ-Gedenkstätte Dachau wird eine projektbezogene Mitarbeit erwartet (Betreuung von ehemaligen Häftlingen, Übersetzungen etc.). Neben Führungen durch die KZ-Gedenkstätte, ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit die Vorbereitung und Durchführung der 2-wöchigen internationalen Jugendbegegnung im Sommer in Dachau.
Lena kommt aus der Ukraine und arbeitet für ein Jahr als Freiwilliger der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau.
"Seitdem ich mich daran erinnern kann, habe ich immer ein außerordentliches Interesse an der Geschichte Deutschlands in den Jahren 1933 - 1945 gehabt. Besonders interessierten mich dabei die Geschichte der Konzentrationslager und die systematische Vernichtung anderer Völker. Wie alles passiert ist, wer dass geschafft hat und auf welcher genaueren Weise – all das, kann ich hier besser verstehen und mehr darüber erfahren, auf dem ehemaligen Gelände des faschistischen Entsetzen. Ich bin sehr gespannt auf Arbeit in der Versöhnungskirche, will mehr über die pädagogischen Arbeit bei Führungen in der Dachau KZ Gedenkstätte erfahren, um später selbst Gruppen durch die Gedenkstätte begleiten zu können. Was geschehen ist, darf auf keiner Weise vergessen oder ignoriert werden. Wir müssen alle darauf achten, uns darüber Gedanken machen und anderen diese schreckliche Geschichte weitergeben."
Marianna kommt aus Russland und arbeitet für ein Jahr als Freiwilliger der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau.
"Ich studiere Pädagogik und Deutsch an der Universität in Moskau. Später möchte ich noch Psychologie studieren. Die Menschen sind mein Hauptinteresse – was denken sie, was füllen sie, wie kann ich ihnen helfen …. Während dieses Jahres werde ich die Möglichkeit haben verschiedene Menschen aus verschiedenen Generationen und Kulturen kennen zu lernen, um das alles besser zu verstehen. Ich habe noch ein Ziel: ich möchte mehr über Menschen und ihre Leben wissen, die diesen Zeit des Krieges überlebt haben. Für mich ist es auch sehr wichtig über den Krieg und das KZ Dachau zu erfahren. Wie war es; was hat der einzelne Mensch gedacht, gefühlt und wie haben sie diese Zeit überlebt. Ich hoffe, dass ich hier die Antworte finden kann, damit mir diese Erfahrungen bei meiner Arbeit als Psychologin helfen werden."
Aleksandra (Ola) Kozyra, Polen
Freiwillige können in der Regel am 1.9. mit ihrem Dienst beginnen. Interessentinnen und Interessenten wenden sich bitte an die
Evangelische Versöhnungskirche
in der KZ-Gedenkstätte
Alte Römerstr. 87
85221 Dachau
oder direkt an
Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.
Auguststr. 80
10117 Berlin
www.asf-ev.de
1958 wurde auf der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland folgender Aufruf verlesen:
"Wir Deutschen haben den Zweiten Weltkrieg begonnen und schon damit mehr als andere unmeßbares Leiden der Menschheit verschuldet; Deutsche haben in frevlerischem Aufstand gegen Gott Millionen Juden umgebracht. Wer von uns Überlebenden das nicht gewollt hat, der hat nicht genug getan, es zu verhindern (...) Wir haben vornehmlich darum noch keinen Frieden, weil zuwenig Versöhnung ist ... Aber noch können wir, unbeschadet der Pflicht zu gewissenhafter politischer Entscheidung, der Selbstrechtfertigung, der Bitterkeit und dem Hass eine Kraft entgegensetzten."
Dieser Aufruf war die Gründung der Aktion Sühnezeichen, die seitdem versucht, durch konkrete Freiwilligendienste im In- und Ausland der Versöhnung und damit der Überwindung von Hass, Angst und Gleichgültigkeit etwas näher zu kommen. Dies soll realisiert werden durch konkrete Arbeit in den Ländern, die während des Zweiten Weltkrieges von Deutschland überfallen wurden.
Die ersten Projekte begannen 1959. Damals arbeiteten die Freiwilligen vor allem an Bauprojekten mit, z.B. an einer Synagoge in Villeurbanne bei Lyon, oder einer Kirche und einem Blindenheim in Norwegen.
Ab Mitte der sechziger Jahre trat die soziale Arbeit in den Vordergrund. Die Freiwilligen arbeiten heute bei der Betreuung von Holocaust-Opfern, in Einrichtungen für Behinderte, mit Menschen, die Opfer heutiger gesellschaftlicher Zustände sind und in Gedenkstätten.
Heute arbeiten etwa 180 ASF-Freiwillige für ein Taschengeld 12 Monate in Israel, Norwegen, in den Niederlanden und in Belgien, in Rußland, Weißrußland, Polen, in der Tschechischen Repulik, in den USA, in Bosnien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Der Friedensdienst mit ASF wird für Wehrdienstverweigerer als sogenannter anderer Dienst im Ausland anerkannt.
Neben den längerfristigen Diensten bietet ASF auch die Möglichkeit zur Mitarbeit in zwei- bis dreiwöchigen Workcamps im In- und Ausland an.
Seit 1979 ist die Evangelische Versöhnungskirche Träger von zwei Freiwilligenstellen.