Aktion Sühnezeichen in der Versöhnungskirche

Seit 1979 gehören jeweils bis zu zwei Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste zum Team der Evangelischen Versöhnungskirche. Neben der Mitarbeit in der Versöhnungskirche arbeiten sie auch noch im Projekt „Gedächtnisbuch für Häftlinge des KZ Dachau“. Beim Förderverein für intern. Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit und in der KZ-Gedenkstätte Dachau wird eine projektbezogene Mitarbeit erwartet (Betreuung von ehemaligen Häftlingen, Übersetzungen etc.). Neben Führungen durch die KZ-Gedenkstätte, ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit die Vorbereitung und Durchführung der 2-wöchigen internationalen Jugendbegegnung im Sommer in Dachau.

Unsere derzeitigen Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen

Teresa

Teresa kommt aus den USA und arbeitet für ein Jahr als Freiwilliger der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Keine, direkte Verbindung habe ich mit der Zeit des dritten Reichs in Deutschland. Ich komme aus den USA, wo keinen Kampf dieses Kriegs passiert hat. Auch habe ich keine Verwandten, die in diesem Krieg gekämpft haben. Jedoch habe ich mich immer mit dieser Zeit beschäftigt. Im The College of St. Benedict in Minnesota habe ich Geschichte studiert. Besonders habe ich mich für die deutsche Geschichte, die Nachkriegszeit und die Erinnerungskultur interessiert. Ich habe eine Diplomarbeit über österreichische Identität nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben und recherchierte dafür, wie die Regierung die Erinnerung dieser Zeit benutzte, um verschiedene Ziele zu erreichen.

Ich glaube, dass das Studium von Geschichte mit einer Verantwortung verbunden ist, um das Geschehen der Vergangenheit öffentlich zu machen und daraus zu lernen. Deshalb freue ich mich sehr auf diese Gelegenheit, ein Jahr mit dem Team der Evangelischen Versöhnungskirche in Dachau zu arbeiten. Ich will die Chance nutzen, viel über diese Zeit aus erster Hand zu lernen.

Über meine Zeit in Dachau ist über http://tmwalch.blogspot.com/ noch mehr zu erfahren.

Daniiela

Daniiela kommt aus der Ukraine und arbeitet für ein Jahr als Freiwilliger der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Als mein letztes Jahr im Studium begann, überlegte ich mir ein Freiwilliges Jahr im Ausland zu machen. Aber ich hatte keine genauen Vorstellungen von einem Projekt, das am besten zu mir passen könnte. Dann erfuhr ich etwas über die ASF. ”Das ist es, was ich brauche”. ASF – Projekte befassen sich mit den Seiten der Weltgeschichte, die jeder Mensch wissen muss und nie vergessen werden dürfen. Jeder muss es wissen … nicht nur Historiker, Studenten oder Politiker. Jedermann muss sich an die Geschichte des Nationalsozialismus, die Folgen und den zweiten Weltkrieg erinnern, weil es so wichtig ist, nie wieder die gleichen Fehler zu machen.

Viele konzentrieren sich nur auf ihre persönlichen Probleme. Alle sollten aber wissen, dass sie nicht nur ein Teil einer Familie, sondern auch ein Teil ihres Landes und der ganzer Welt sind und wir uns auch für die Probleme unserer Welt interessieren müssen. Die ASF-Projekte, einschl. des Freiwilligendienstes an die Versöhnungskirche und in der KZ- Gedenkstätte Dachau zeigten, wie wichtig es ist, sich für Frieden einzusetzen, an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern und das internationale Verständnis und die Solidarität nie zu verlassen. Die Verbindung der Generationen und die Erinnerung an das große Leid, das mit dem Nationalsozialismus verbunden ist, sind wichtige Aufgaben, zu denen sich ASF verpflichtet hat. Ich möchte meine Erfahrungen, die ich in meinem Friedensdienst mache, für mein Leben bewahre und hoffe, dass meine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse mit ASF für andere eine Inspiration werden.

Abschlussberichte von ASF-Freiwilligen

Larissa Levanova, Russland

Aleksandra (Ola) Kozyra, Polen

Ian Maloy, Wales

Sarah Heim, USA

Redebeiträge bei Gedenkfeiern

Roy Scivyer, England

Irina Grinkevich, Belarus

Mitarbeit in der Aktion Sühnezeichen

Freiwillige können in der Regel am 1.9. mit ihrem Dienst beginnen. Interessentinnen und Interessenten wenden sich bitte an die

Evangelische Versöhnungskirche
in der KZ-Gedenkstätte
Alte Römerstr. 87
85221 Dachau

oder direkt an

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.
Auguststr. 80
10117 Berlin
www.asf-ev.de

Die Arbeit des Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.

1958 wurde auf der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland folgender Aufruf verlesen:

"Wir Deutschen haben den Zweiten Weltkrieg begonnen und schon damit mehr als andere unmeßbares Leiden der Menschheit verschuldet; Deutsche haben in frevlerischem Aufstand gegen Gott Millionen Juden umgebracht. Wer von uns Überlebenden das nicht gewollt hat, der hat nicht genug getan, es zu verhindern (...) Wir haben vornehmlich darum noch keinen Frieden, weil zuwenig Versöhnung ist ... Aber noch können wir, unbeschadet der Pflicht zu gewissenhafter politischer Entscheidung, der Selbstrechtfertigung, der Bitterkeit und dem Hass eine Kraft entgegensetzten."

Dieser Aufruf war die Gründung der Aktion Sühnezeichen, die seitdem versucht, durch konkrete Freiwilligendienste im In- und Ausland der Versöhnung und damit der Überwindung von Hass, Angst und Gleichgültigkeit etwas näher zu kommen. Dies soll realisiert werden durch konkrete Arbeit in den Ländern, die während des Zweiten Weltkrieges von Deutschland überfallen wurden.

Erste Projekte

Die ersten Projekte begannen 1959. Damals arbeiteten die Freiwilligen vor allem an Bauprojekten mit, z.B. an einer Synagoge in Villeurbanne bei Lyon, oder einer Kirche und einem Blindenheim in Norwegen.

Soziale Arbeit

Ab Mitte der sechziger Jahre trat die soziale Arbeit in den Vordergrund. Die Freiwilligen arbeiten heute bei der Betreuung von Holocaust-Opfern, in Einrichtungen für Behinderte, mit Menschen, die Opfer heutiger gesellschaftlicher Zustände sind und in Gedenkstätten.

Die Arbeit heute

Heute arbeiten etwa 180 ASF-Freiwillige für ein Taschengeld 12 Monate in Israel, Norwegen, in den Niederlanden und in Belgien, in Rußland, Weißrußland, Polen, in der Tschechischen Repulik, in den USA, in Bosnien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Der Friedensdienst mit ASF wird für Wehrdienstverweigerer als sogenannter anderer Dienst im Ausland anerkannt.

Neben den längerfristigen Diensten bietet ASF auch die Möglichkeit zur Mitarbeit in zwei- bis dreiwöchigen Workcamps im In- und Ausland an.

Seit 1979 ist die Evangelische Versöhnungskirche Träger von zwei Freiwilligenstellen.

Die Menschen hinter der Geschichte - Gespräch mit ASF-Freiwilligen

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